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Ostdeutsches Kulturerbe pflegen
Der Bund der Vertriebenen nimmt die Aufgaben, die sich aus dem § 96 des Bundesvertriebenengesetzes ergeben ernst. Dort heißt es, daß das Kulturerbe der Verbreitungsgebiete im Bewußtsein der Vertriebenen, der Bevölkerung insgesamt und sogar des Auslandes zu erhalten ist. Dieses Ziel verfolgt der Landesverband Nordrhein-Westfalen des Bundes der Vertriebenen durch zahlreiche Veranstaltungsreihen, wie etwa das „Ostdeutsche Lesekabinett“, die „Landeskulturtagungen“, „Kulturpolitische Seminare“ und viele andere Veranstaltungen. Hinzu kommen die zahlreichen Begegnungsmaßnahmen der grenzüberschreitenden Kulturarbeit in den einzelnen Heimatgebieten. Dazu gehören etwa ein Studentenaustauschprogramm mit russischen Studenten aus Königsberg, die Arnsberger Singwoche oder historische Seminare z.B. für das Deutschlehrerkolleg in Ratibor. Diese Maßnahmen sind der Beitrag des Bundes der Vertriebenen zur Wiederbelebung, Erhaltung und Weiterentwicklung des deutschen kulturellen Erbes der deutschen Minderheiten und Volksgruppen und zum Dialog zwischen den in der Heimat verbliebenen Deutschen, den nichtdeutschen Nachbarn und den Vertriebenen selber. Sichtbarer Ausdruck dieser Arbeit ist die Patenschaft des BdV-Landesverbandes Nordrhein-Westfalen mit dem Deutschen Freundschaftskreis (DFK) in Ratibor.
Gleichzeitig ist es eine wichtige - und immer wichtiger werdende - Aufgabe des Verbandes für die Dimension des ostdeutschen Kulturerbes zu sensibilisieren. Es muß deutlich gemacht werden, daß es sich dabei um eine Aufgabe nationaler Größenordnung handelt, die mit der folkloristischen Alltagskultur, wie sie etwa beim Tragen von Trachten und musischen Seminaren zum Ausdruck kommt, nur wenig zu tun hat. Bei der ostdeutschen Kulturarbeit, die heute notwendig geworden ist, geht es um Immanuel Kant, Gerhart Hauptmann, Lovis Corinth, Adalbert Stifter und viele andere. Es geht um die großen Universitätsstädte Königsberg und Breslau, es geht um ostdeutsche Architektur und bildende Kunst, es geht um Archive, Museen und Bibliotheken. Das ostdeutsche Kulturerbe wird vergessen und als spezifisch ostdeutscher Beitrag zur deutschen Kulturnation nicht mehr genannt werden, wenn nicht immer wieder auf den ostdeutschen Anteil aufmerksam gemacht wird. Diese Aufgabe beginnt bereits in der Bildungspolitik, die Ostpreußen, Schlesien, Pommern, das Sudetenland und die Siedlungsgebiete der Deutschen im Osten völlig ausklammert. Dem entgegenzuwirken ist eine Aufgabe des Landesverbandes, die er mit wachsender Intensität wahrnimmt. Veranstaltungen, Seminare und Workshops, Studienreisen und Austauschprogramme machen mit der Geschichte und Kultur der Deutschen im Osten bekannt und vertraut. Aber auch in der Landespolitik ist der Bund der Vertriebenen der unbequeme Mahner, der auf die Defizite der Bildungspolitik, der Kulturpolitik und der Europapolitik hinweist. In der Bildungspolitik ist hier vordringlich der Schülerwettbewerb „Begegnung mit Osteuropa“ zu nennen, der sich immer weiter von seiner ursprünglichen Zielsetzung, der Vermittlung von Wissen über die Vertreibungsgebiete, entfernt hat. Auf der Kreis- und Ortsebene unterhalten zahlreiche Kreisverbände des Bundes der Vertriebenen Heimatstuben. Diese Heimatstuben, insgesamt knapp 100 in Nordrhein-Westfalen, sind einerseits kleine Museen, die in zum Teil jahrzehntelanger ehrenamtlicher Arbeit dingliches Kulturgut aus den Vertreibungsgebieten zusammengetragen haben, auf der anderen Seite erfüllen sie häufig die Funktion von Begegnungszentren oder Versammlungsräumen. Viele dieser kleinen Heimatmussen sind in den letzten Jahren aber auch Orte der Begegnung und des Austauschs mit den östlichen Nachbarn geworden. Auch diese Einrichtungen sind ein unverzichtbarer Bestandteil, der Pflege ostdeutscher Kultur. |
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