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Steinvorth, Klaus Der Vater blieb im Krieg - Kriegswitwen und ihre Kinder
Vorwort des Autors: Unter den Müttern meiner Generation, die während des Zweiten Weltkrieges geboren wurde, gibt es viele, die sowohl Kriegswitwen als auch Vertriebene sind. Wie haben diese Frauen es geschafft, trotz des doppelten Verlusts des Ehemannes und der Heimat ihre Kinder zu erziehen? Es fehlte der Mann, es fehlte das Netzwerk der alten Verbindungen, es fehlte Besitz und Geld, es fehlte Anerkennung und Gleichbehandlung, es war das Flüchtlingsschicksal, das die Frauen allein bewältigen mussten. Sie hatten schreckliche Erfahrungen während der Flucht und Vertreibung gemacht und mussten jetzt, oft zum ersten Mal, einen Beruf ergreifen, um die Existenz der vaterlosen Familie zu sichern. Hatte das Auswirkungen auf die Kinder?
Ich will die Geschichte meiner Familie beschreiben, die über drei Generationen vaterlos aufgewachsen ist, so dass ich mit der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg beginne und mit den 60er Jahren der Bundesrepublik aufhöre. Innerhalb dieser Spanne, die sich mit dem Leben meiner Großmutter deckt, liegen die Erziehungs- und Ausbildungsjahre unserer drei Generationen. Denn nicht nur meine Mutter ist Kriegswitwe, auch meine Großmutter ist es gewesen, sie sogar zweimal, weil sie beide Männer durch den Krieg verloren hat. Diese beiden Frauen haben mich erzogen und weil meine Großmutter relativ früh ihren Vater verloren hat, versuche ich die Frage zu beantworten, ob der geringe oder fehlende Einfluss des Vaters über drei Generationen sich auf die Erziehungsvorstellungen dieser Frauen ausgewirkt hat.
Solche Vorstellungen sind natürlich von ihrer Zeit und ihrem Ort abhängig. Deshalb will ich beide aus der Perspektive meiner Familie beschreiben, um deutlich zu machen, wie die Vertreter von drei Generationen heranwachsen und Erziehung erleben. Es ist eine Zeit, in der sich in Deutschland gesellschaftliche und geographische Grenzen dramatisch verändern. Wandeln sich im ähnlichen Maße die Erziehungsvorstellungen? Das aus der Sicht einer Familie zu betrachten, in der nicht der zeitgemäße dominierende Vater die Erziehungsziele setzt, scheint mir nicht uninteressant.
Der Bericht ist auch ein Zeitzeugnis über das Leben von Kriegswitwen, die insgesamt nie viel Aufsehen erregt haben und deshalb um so leichter in Vergessenheit geraten können. Sie standen nie im Mittelpunkt geschichtlicher Ereignisse, hatten aber mehr als andere die Folgen zu tragen.
Meine Familienchronik stützt sich auf Aufzeichnungen meiner Mutter, meiner Großmutter und meines Onkels Josef, die auch Berichte von Tante Gretel enthält, auf Briefe meiner Mutter und meines Vaters, auf Gespräche mit meiner Mutter, die, inzwischen 90 Jahre alt, noch lebt und natürlich auf meine eigenen Erinnerungen.
131 Seiten, 16 Bilder, 186 g
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