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Ein Junge aus der Nachbarschaft
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Ein Junge aus der Nachbarschaft Autobiografische Aufzeichnungen von Stefan Barth
Eine Rezension von Tomislav Kettig
Mit außergewöhnlichem Interesse habe ich das Manuskript über die Erinnerungen von Stefan Barth gelesen, einem Menschen, der zwei gleich liebe Heimaten hat, für den beide für eine authentische Schilderung wichtig sind. Es sind Aufzeichnungen und Gedanken über die sechseinhalb Jahrzehnte, erfüllt mit viel Aufregungen, zerstörten Idealen, verlorenen Illusionen, vernichteten Leben und trotz alledem sind sie, auf eine eigentümliche Weise, auch eine Hymne, die der Güte, der Vergebung und dem Sieg über das Böse gewidmet ist. Der Autor dieses Buches hat als Kind alle Schrecken des Konzentrationslagers Batschki Jarak (Jarek) überlebt, aber er hat auch die Rettung, die Hilfe und das Mitgefühl jener Serben erlebt, die nicht von dem Nationalitätenhass blind geworden waren. Nach der Rettung aus dem Lager und der Jahre der Zwangsarbeit seiner Eltern und Großeltern in einem Bergwerk in Serbien, kehrt Barth mit seiner Familie nach Novi Sad zurück, wo er das Gymnasium abschließt. Erst danach wandert er nach Deutschland aus, wo er sein Studium absolviert, eine Familie gründet und eine beneidenswerte fachliche Berufslaufbahn verwirklicht. Barth vergisst jedoch nicht seine alte Heimat, er besucht sie, erhält die Kontakte zu Freunden und Schulkameraden und organisiert in kritischen Momenten auch humanitäre Hilfe aus Deutschland. Jetzt ist er einer der aktivsten Initiatoren der Versöhnung und Zusammenarbeit, mit dem Wunsch, dass sich die Bindungen der geflüchteten und vertriebenen Donauschwaben mit der alten Heimat erneuern und festigen. Die Handschrift ist voller wertvoller Angaben über eine Zeit, über die man in Serbien zu lange geschwiegen hat. Obwohl ich über die ganzen Ereignisse viel wusste, habe ich noch viel Neues erfahren und konnte so mein eigenes Bild vervollständigen. Das ist auch lehrreich aus der Sicht der Ereignisse im ehemaligen Jugoslawien im letzten Jahrzehnt des zwanzigsten Jahrhunderts. Barths Schilderung ist auch wertvoll als ein ethnografisches Dokument über eine Volksgemeinschaft der Deutschen, die über zwei Jahrhunderte, zusammen mit anderen, fleißig die Wojwodina aufgebaut haben, und sie zu dem machten, wie wir sie heute kennen. Danach wurde diese Volksgemeinschaft brutal eliminiert, weshalb auch die Wojwodina als Ganzes einen unersetzlichen Verlust erlitten hat. Das Buch ist lebhaft, interessant und mit viel klugen und geistvollen Anmerkungen versehen, aber auch mit viel Liebe zur Heimat geschrieben. Es wäre gut, wenn es möglichst viele Leser finden würde, und ich empfehle allen, die an seiner Veröffentlichung mithelfen wollen, es auch zu tun.
Tomislav Kettig Schriftsteller und Journalist
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